Farvel, Ferry.



Farvel, Ferry.
Ihr Lieben – heute hat sich ein Kreis vollendet. Wir haben unseren Ferry ziehen lassen müssen, dabei hatten wir ihm wenigstens noch einen Sommer gewünscht. – Heute hat er sich friedlich hingelegt und gesagt, dass es jetzt Zeit für ihn ist, zu gehen. Wir sind auch diesen Weg mit ihm gegangen.
Wir haben es nicht geschafft. Wir haben es nicht geschafft, 18 einsame Jahre wieder gutzumachen. Wir haben es nicht geschafft, ganz zu machen, was so lange kaputt ging. Aber wir haben es geschafft, in wichtige Tage Leben zu bekommen, wir haben es geschafft – ein bisschen -, einen Kokon aufzubrechen, in dem sich eine einsame Seele schon vor Jahren eingekapselt hatte. Wir haben es geschafft, ein Pony, das aufgegeben hatte, am Leben zu interessieren. Im Alter von 11 Jahren wurde er einem Mädchen zu klein als Reittier. Damals wurde er für ein anderes Mädchen gekauft. – in 18 Jahre ohne Pferdegesellschaft. Dort haben wir ihn abgeholt, bei wirklich netten Menschen, die glaubten, alles für ihn getan zu haben.
Wir konnten letztlich in der kurzen Zeit, die wir nur hatten, körperlich nichts mehr retten, was jahrelang nicht gerettet worden war, und am Ende mussten wir unseren Ferry heute auf die andere Seite begleiten. Aber seine Seele – seine Seele konnten wir heilen, ein bisschen.
Er ging nicht einsam, sondern begleitet von seiner Janine, die ihn sofort in ihr großes Herz geschlossen hatte – und er sie in seins. Getragen von seinen Gefährten auf Zeit, Max und Fenn, Big Al und Jeronimo, die, obwohl sie sich scheinbar nie sehr um die beiden Senioren scheren, bis zum Schluss dicht bei ihm waren. Wir wissen sicher, dass unser Ferry heute die Wiesen erreichen wird, auf denen nun nichts mehr weh tut, nichts mehr mühsam ist, auf denen „des Lebens müde“ nicht bekannt ist und auf denen er endlich wieder nach Herzenslust grasen kann. – Wir sind dankbar dafür, dass wir ihn kennenlernen durften und dankbar dafür, dass wir ihm wieder ein Lächeln in die Augen zaubern durften – und er uns. – Weil JEDE GUTE SEKUNDE eines Lebens unbezahlbar ist. Mach’s gut, Großer – du wirst uns mehr fehlen, als wir das jetzt gerade fassen können. Danke für jede Deiner Sekunden.